Wegen Trump-Post: Wie Facebook einem Verleger im Norden massiv schadet

Wegen Trump-Post: Wie Facebook einem Verleger im Norden massiv schadet

„Ihr Account ist gesperrt wegen der Verbreitung sexueller Inhalte“: Stefan Kruecken dachte an einen technischen Fehler bei der Facebooks Filter-Software, als ihm das soziale Netzwerk diese Nachricht anzeigte. Schließlich ging es um einen seriösen Zeitungsartikel mit einem Foto von Donald Trump im Gerichtssaal – das soll anstößig sein? Doch mittlerweile ist dem Chef des Ankerherz-Verlages aus dem Hamburger Umland gar nicht mehr zum Schmunzeln zumute. Er vermutet eine politisch motivierte Kampagne dahinter – die seiner Firma massiv schadet.

„Ich komme mir vor wie in einer Geschichte von Franz Kafka“, sagt der MOPO-Kolumnist in Anspielung an den Prager Schriftsteller, dessen Figuren meist ohnmächtig einer nicht greifbaren Bürokratie-Maschine ausgeliefert sind. „Ich habe keine Ahnung, wieso mein Account gesperrt wurde, was es daran auszusetzen gibt, und ich habe keine Ansprechpartner, den ich kontaktieren kann.“

Los ging der Ärger am vergangenen Freitag. Plötzlich ploppte auf Krueckens Facebook-Profil der Hinweis auf, sein Account sei teilgesperrt worden. Der Grund: Ein von ihm gepostetes Foto zeige „sexuellen Missbrauch Erwachsener“, also entweder sexuelle Gewalt oder intime Fotos ohne Zustimmung der abgebildeten Person. Nur: Es handelte sich um einen Online-Artikel der topseriösen US-Zeitung „New York Times“ über die Verurteilung von Donald Trump. Illustriert mit einem grimmigen Foto des Ex-Präsidenten – vollständig bekleidet, im Gerichtssaal.

Trump-Foto anstößig? Ankerherz-Verlag auf Facebook gesperrt – Riesen-Schaden

Dafür belegte Facebook den Ankerherz-Verlag aus Hollenstedt in der Nähe von Buchholz in der Nordheide mit einem sogenannten Shadowban. Das heißt: Die Profil-Seite ist noch aufrufbar, ihre Beiträge werden aber kaum noch in die News-Feeds der fast 250.000 Follower gespielt. Die Reichweite wird also massiv beschränkt. Für den Verleger, der auf Facebook Bücher und Merchandise bewirbt und auf Veranstaltungen hinweist, ein wirtschaftlicher Schaden im vierstelligen Bereich – pro Tag.

Stefan Krücken vom „Ankerherz Verlag“.
Privat.

Stefan Krücken vom „Ankerherz Verlag“.

Der 49-Jährige hat einen Verdacht, wie es ausgerechnet kurz vor der Europawahl zu dieser nicht nachvollziehbaren Entscheidung des sozialen Netzwerks kommen konnte: Eine konzertierte Aktion von rechten Internet-Trollen.

Kruecken hat sich immer klar und unmissverständlich gegen Rechtsextremismus und Demokratiefeindlichkeit positioniert. Er vermutet, dass sich Nutzer, denen diese Haltung nicht passt, in größerer Zahl abgesprochen haben, um den Trump-Post zu melden. „Was ich an Hass-Kommentaren dazu bekomme, deutet in diese Richtung“, sagt er. Als Folge könnte Facebooks Filter-Software dann erstmal die Notbremse gezogen haben, bis die Vorwürfe geklärt sind.

Facebook stuft „Gorch Fock“ als „dratischen Inhalt“ ein

Ob Kruecken mit dieser Vermutung richtig liegt, hätte die MOPO gerne von Facebook erfahren. Das Unternehmen hat auf eine Anfrage der MOPO aber bisher nicht reagiert.

„Ich habe gegen den Shadowban natürlich Widerspruch eingelegt, aber bislang ohne Wirkung“, so Kruecken. „Ich weiß auch nicht, ob und wann das jemand bearbeitet.“

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Stattdessen hat das Netzwerk einen weiteren Post beanstandet. Ein Artikel über das frühere Segelschulschiff der deutschen Marine, benannt nach dem Hamburger Heimatdichter Gorch Fock, wurde als „drastischer Inhalt“ abgemahnt – vielleicht hat die Künstliche Intelligenz den norddeutschen Nachnamen irgendwie fehlinterpretiert. „Wenn es nicht so bitter wäre, könnte ich drüber lachen“, sagt Kruecken.

Seine Strategie: Er bittet die Follower, seine Facebook-Posts möglichst oft zu liken und zu teilen. Und er will sich künftig auch per E-Mail-Newsletter an seine Follower wenden. Dafür kann man sich auf ankerherz.de anmelden.

Wegen Trump-Post: Wie Facebook einem Verleger im Norden massiv schadet wurde gefunden bei mopo.de

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